Spuck-Attacke auf Juden kommt Neonazi teuer zu stehen

Ein Neonazi soll wegen Rassendiskriminierung für 28 Monate ins Gefängnis. Der einschlägig vorbestrafte Mann soll in Zürich-Wiedikon einen Juden bespuckt und beschimpft haben.

Der gelernte Metzger Kevin G. ist einschlägig vorbestraft. Bild: PD

Der gelernte Metzger Kevin G. ist einschlägig vorbestraft. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Vorfall im Juli 2015 sorgte für Schlagzeilen: Eine rund 20-köpfige Gruppe Rechtsradikaler hatte in Wiedikon auf offener Strasse einen orthodoxen Juden angegriffen. Die Männer hatten in und um eine Bar beim Manesseplatz einen Polterabend gefeiert. Dabei soll der Rädelsführer, ein einschlägig vorbestrafter Neonazi, einen orthodoxen Juden bespuckt und beschimpft haben. Beim heute 30-jährigen Beschuldigten handelt es sich um Kevin G.*, der im Zürcher Unterland wohnt. Er ist als Frontmann der rechtsradikalen Rockband Amok bekannt geworden.

Laut Anklageschrift, die dieser Zeitung vorliegt, hatte der Beschuldigte zwar Alkohol getrunken, er war nach eigenen Angaben «in angeheitertem Zustand», jedoch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Er bespuckte den orthodoxen Juden auf dem Trottoir der Uetlibergstrasse dreimal, «um seiner Verachtung Ausdruck zu verleihen». Er traf den Juden am Hut, im Gesicht und im Schulterbereich.

Dann verfolgte er den Juden, der schnell davonging und rief ihm «Scheissjude», «Wir werden euch alle vergasen», «Wir schicken euch nach Auschwitz» nach. Dabei streckte er den Arm zum Hitlergruss aus und rief «Heil Hitler». Später versuchte er, den Juden zu schlagen, wurde jedoch von Passanten daran gehindert.

Widerruf von zwei Vorstrafen

Die Staatsanwältin klagt Kevin G. wegen Rassendiskriminierung an. Sie verlangt eine zu vollziehende Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Busse von tausend Franken. Zudem sollen zwei einschlägige, bedingt ausgesprochene Strafe widerrufen werden: eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen aus dem Jahr 2012 aus dem Kanton Aargau und eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten aus dem Jahr 2013 aus dem Kanton St. Gallen. In beiden Fällen sei der Beschuldigte in der fünfjährigen Probezeit erneut straffällig geworden. Folgt das Gericht den Anträgen der Staatsanwältin, müsste Kevin G. also 28 Monate ins Gefängnis und auch die Geldstrafe in unbekannter Höhe bezahlen.

Ob der Beschuldigte geständig ist, ist nicht bekannt. Der Termin vor dem Bezirksgericht Zürich ist noch offen.

Bereits im November war ein weiterer Teilnehmer des Polterabends verurteilt worden. Ein 24-jähriger Maurer aus dem Kanton St. Gallen war von der Zürcher Staatsanwaltschaft wegen Rassendiskriminierung schuldig gesprochen worden. Der Verurteilte muss 180 Tagessätze à 90 Franken, 3800 Franken Busse und 1500 Franken Verfahrenskosten zahlen: total 21'500 Franken. Insgesamt hatten die Behörden gegen vier der damals zwanzig anwesenden Neonazis Strafverfahren eingeleitet. Zwei Strafverfahren wurden mangels Beweisen eingestellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2017, 11:58 Uhr

Artikel zum Thema

Zürcher Neonazi droht Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft erhebt demnächst Anklage gegen einen vorbestraften Rechtsradikalen. Er soll in Wiedikon einen orthodoxen Juden attackiert haben. Mehr...

Rock, Faustschläge und patriotische Tendenzen

Kevin G. ist langjähriger Sänger der Schweizer Band Amok, die am Neonazi-Treffen in Unterwasser auf der Bühne stand. Wie gefährlich ist der bekannte Rechtsradikale? Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Blogs

Sweet Home Ein Winternachtstraum

Tingler 5 Weihnachtswünsche – für andere

Paid Post

Zirkus mal anders

Lassen Sie Ihre Kinder, Grosskinder oder Patenkinder im Family Circus Bühnenluft schnuppern!

Die Welt in Bildern

Wintereinbruch: Schafe grasen im Schnee nahe Loch Tay Perthshire, Schottland, Grossbritannien (10. Dezember 2017).
(Bild: Russel Cheyne) Mehr...